“Es ist kein Baum, der nicht zuvor ein Sträuchlein gewesen.”
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  • Johanna vorm englischen Internat Rye St. Antony, Oxford | Dickinson Britische Schulberatung

Ein schönes Feedback vom englischen Internat Rye St. Antony, Oxford!

Liebe Gina,

Tatsächlich haben wir Johanna und ihr über die Zeit doch ganz erstaunlich angewachsenes Gepäck am 31. März mit dem Auto in Oxford abgeholt. Der Kofferraum war voll gepackt. Gleichzeitig konnten auch wir Eltern so einmal mehr das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und noch ein paar Tage in Oxford und Umgebung verbringen (Blenheim Palace und der umgebende Park sind wirklich herzzerreißend schön). Oxford ist mir mittlerweile eine vertraute Stadt geworden und auch das ist wunderbar.

Was kann ich über das zweite Trimester sagen? Es war eine fabelhafte Fortsetzung der ersten Eindrücke, über die ich ja schon so positiv berichten konnte. Ist das wirklich schon so lange her? 

Sie erinnern sich vielleicht, daß Johanna mit dem englischen Schulsystem von Anfang an recht gut zurecht kam. Tatsächlich stellte sich schon nach wenigen Wochen des ersten Trimesters heraus, dass die Anforderungen in manchen Fächern sogar zu niedrig waren. Besonders in Mathematik und den Naturwissenschaften gibt es offensichtlich (und erwartungsgemäß) andere Schwerpunkte im englischen und deutschen Schulsystem. Für Johanna bedeutete das, daß sie auch die prep time in diesen Fächern viel zu lang und viel zu wenig ausgefüllt fand. Auf ihre eigene Initiative hin besprach sie sich deshalb mit ihrer Stufenleiterin und der Schulleiterin Ms Jones (die ich ob ihrer Erfahrung, Liebenswürdigkeit und stets professionellen Bemühungen gar nicht genug bewundern und loben kann) und es wurde umstandslos ein spezieller Stundenplan für das Kind „gestrickt“: Johanna stieg in die laufenden Kurse in Mathematik und Unterricht in den Naturwissenschaften in year 12 ein und erhielt den Unterricht in Englisch, Latein und Geschichte weiter in year 11. Gleichzeitig wurde die Vorbereitung für GCSE Geschichte (ein Kurs, der über 2 Jahre geht) im Einzelunterricht mit ihr nachgeholt. Daß dabei kein Platz mehr im Stundenplan für Sport oder Religionsunterricht blieb konnte Johanna durch Sport am Abend, Einschreiben in einen Krav Maga Kurs und die Übernahme der Funktion des Eucharistic Ministers an Sonntagen recht gut kompensieren. Wir konnten, wollten und mussten in diese komplette Umplanung als Eltern überhaupt nicht eingreifen, sondern erlebten nur verblüfft die positiven schulischen, aber auch sozialen Auswirkungen. 

Als jetzt 6th-form entwickelte Johanna sehr enge Bindungen zu einzelnen Mitschülerinnen, natürlich vornehmlich, aber nicht nur, denen aus ihrem boarding house. Einladungen in die sehr warmherzige Familie einer Mitschülerin aus den Cotswolds hatte ich glaube ich schon erwähnt. Gleichzeitig machten die Mädchen an den Wochenenden Oxford unsicher, nutzten die relativ preiswerten Restaurationen der Studentenstadt, kochten zusammen, besuchten Ausstellungen im Ashmolean oder gingen ins Kino. Aus Johannas Erzählungen schließe ich, daß sie das Leben im boarding house wie eine große Wohngemeinschaft wahrgenommen haben muss, wie eine Großfamilie mit vielen Geschwistern, die Tag und Nacht ganz einfach im Zimmer nebenan zu erreichen sind. Zu hören, wie wohl sich Johanna dabei fühlte fand ich sehr beglückend, vor allem auch, wie leicht sie sich in dieser Gemeinschaft eingefunden hat, denn Johanna ist doch ein Einzelkind. Neben Erzählungen über „Ellie", „Ren" oder „Rusheen" hörte ich von „Donatella" oder „Eunmin“, hörte auch manchmal drei Wochen gar nichts und konnte mir dann eigentlich denken, daß es Johanna gut ging, was sie auch immer wieder in den breaks (half term und term) bestätigte. Ich erlebte und erlebe ein anderes, ein erwachseneres Kind, daß allein durch Heathrow und London findet, sich organisiert, ihr Leben regelt und mich zwar noch nach meiner Meinung fragt, aber selbst ihre Entscheidungen trifft - Ziel erreicht.

Wie ging es mit der Schule, den Zeugnissen, wie ist mein Eindruck von Rye speziell? Zur Schule kann ich nur das Beste berichten und ich glaube, da stimme ich mit Johanna überein. Das schreibe ich nicht, weil der aktuelle ISI Inspection Report vom Februar so gut ausgefallen ist, das kann ich an vielen Punkten von Johannas Berichten festmachen. Nicht nur, daß die Schule so flexibel auf Johannas spezifisches Leistungsprofil reagiert und den Stundenplan so schnell abgestimmt hat, über die Lehrer und deren Motivation kann ich nur das Beste sagen, die kleinen Klassengrößen, der fein abgestimmte Unterricht und die Didaktik, das ist wohl an vielen Privatschulen so. Johanna hat Spaß an Mathematik gewonnen, sie war mit der Schule bei Vorlesungen der Universität, zu Besuch im Neuroscience Lab, will unbedingt die Biologieprüfung machen (wohl auch, weil sie hier in Deutschland keinen Biologieunterricht mehr hat). Hervorheben kann ich die Intimität der kleinen Schule Rye St Antony, die Mühe, die sich jeder gibt, die Art der Informationsweitergabe (als Johanna einige Tage lang erkältet war, gab es regelmäßige Berichte der school nurse, es gibt ein Internetportal mit Stundenplan, Notenschnitt, Mitteilungen, etc.), die warmherzige Atmosphäre, die die ganze Schule umgibt und nicht zuletzt das moderne, weil erst vor wenigen Jahren gebaute boarding house für die Schüler ab year 11 mit sixth form centre. Die schulischen Leistungen von Johanna waren erwartungsgemäß. Immerhin fand der komplette Unterricht in einer für sie fremden Sprache statt, sie musste in laufende Kurse einsteigen und gleichzeitig ein wenig orientierend den Stoff in Deutschland im Auge behalten, dennoch keine Note schlechter als „C", erfreulich viele „A"s … .

Wie war der Abschied von Rye? Tränenreich, auch das erwartungsgemäß, weniger bei Johanna, als bei einer Freundin aus Südkorea, die beiden hatten viele Wochenenden miteinander verbracht. Ein sehr herzlicher Abschied auch von Freundinnen aus England, die spätestens in den Sommerferien bei uns zu Besuch sein werden, ein noch herzlicherer Abschied mit halbstündigem Umarmen von Freundinnen aus Mexico City und Guadalajara, man hat sich zu einem Besuch in Mexico im nächsten Jahr verabredet. Der Abschied ist auch nur ein vorläufiger: wie bereits von Anfang an geplant wird Johanna noch drei Mal im Trinity term für einige Tage in Rye zu Gast sein um in den Fächern Englisch, Geschichte und Biologie Prüfungen zu machen. Sie möchte damit einen formalen Abschluss finden für diese für sie doch so wichtige und erlebnisreiche Zeit in England. Gleichzeitig wird ein „C" oder besser im GCSE wohl auch von vielen englischen Universitäten als Sprachtestäquivalent akzeptiert, ein kleines Türchen in die Zukunft, das Johanna sich offenhalten will.

Wie ist der Empfang in Deutschland? Johannas Schulleiter hier hat nicht nur die Beurlaubung für die exams in England möglich gemacht, sondern sich die Zeit genommen, mit ihr ein freundliches Wiederaufnahmegespräch zu führen, hat ihr mögliche Sorgen zu nehmen versucht, die betreffenden Lehrer über den Wiedereinstieg informiert. Johanna ist nicht die einzige Schülerin aus ihrer Jahrgangsstufe, die im Ausland war. Es wird wohlwollend über ihre schulischen Leistungen gewacht und es stellt sich heraus: die Fähigkeiten, die Johanna in England erworben hat nützen ihr hier sehr. Natürlich haben ihre Englischkenntnisse profitiert, ich erinnere mich, wie frappierend Johanna es fand, als sie nach wenigen Wochen das erste Mal die Gespräche von Mitfahrenden Passagieren im Bus verstand, auch ohne sich darauf zu konzentrieren. Der Stoff, der in Mathematik und den Naturwissenschaften in England sehr fundiert und systematisch vermittelt wurde entspricht dem aktuellen Stand hier in Deutschland und mehr, erfasst sogar schon Teile des Stoffes der kommenden Jahre Q1 und Q2, die ersten Klausuren sind geschrieben und gelangen leidlich gut, all das weitaus einfacher als erwartet. Daß der Wäschekorb mittlerweile nicht mehr nur gefüllt, sondern gelegentlich vom Kind sogar geleert und die Waschmaschine bedient wird ist ein weiterer, interessanter Nebeneffekt.

Quintessenz: Johannas Englanderlebnis, so muss man es wohl nennen, hat bei Johanna Spuren hinterlassen und das durchaus positiv. Der Blick auf die Welt ist weiter geworden, plötzlich ist klar, daß Schule nicht alles ist, daß Schule anders sein kann, daß es andere Perspektiven gibt. Johanna nimmt Probleme anders wahr, nicht nur weil ein neu gewählter amerikanischer Präsident die wirtschaftliche Zukunft mexikanischer Freunde bedrohen könnte, weil ein Brexit das komplizierter machen könnte, was unter den Jugendlichen in Rye jetzt so selbstverständlich und absolut richtig erschien, weil die Familie einer koreanische Freundin sich von Nachbarn im Norden bedroht fühlt, sondern weil die Welt für Johanna weiter geworden ist. Die Erinnerung an die vergangene Zeit in England und der räumliche Verlust der Freunde und Schule macht Johanna traurig, aber die Freunde und die Aufgaben hier machen vieles wieder wett. Das Erlebnis aber bleibt lebenslang.

Sie sind mit Schuld an diesem fabelhaften Erlebnis, Gina, ganz zentral haben Sie richtige Empfehlungen gegeben, viel Wissen mitgebracht, geholfen, daß diese Zeit ein Erfolg geworden ist. Danke von uns dafür!

Liebe Grüße

Andreas B

Veröffentlicht am: 
25/05/2017